Interdentalpflege: Warum Zahnzwischenräume die vergessene Schwachstelle sind

Letzte Aktualisierung: März 2026 · Quellen am Ende des Artikels

Sie putzen morgens und abends gründlich die Zähne, verwenden eine fluoridhaltige Zahnpasta und gehen regelmäßig zur Kontrolle. Trotzdem stellt Ihr Zahnarzt Karies fest – ausgerechnet zwischen den Zähnen. Dieses Szenario erleben Millionen Menschen in Deutschland. Der Grund: Rund 30 Prozent der gesamten Zahnoberfläche liegen in den Zahnzwischenräumen, und eine herkömmliche Zahnbürste erreicht diese Bereiche nicht. Die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) zeigt, dass nur etwa 30 Prozent der Deutschen regelmäßig Zahnseide oder Interdentalbürsten verwenden – die Mehrheit lässt die Zahnzwischenräume schlicht ungeputzt.

Dabei beginnen die meisten Zahnfleischentzündungen und Kariesläsionen genau dort: in den Approximalräumen zwischen den Zähnen. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGParo) betont, dass eine konsequente Interdentalpflege das Risiko für Parodontitis deutlich senken kann. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die richtige Methode für Ihre Zahnzwischenräume finden und die Pflege zu einer festen Gewohnheit machen.

Was in den Zahnzwischenräumen passiert

Zwischen Ihren Zähnen entsteht ein bakterieller Biofilm – genau wie auf den freien Zahnoberflächen. Der Unterschied: In den Zahnzwischenräumen fehlt der natürliche Selbstreinigungseffekt durch Zunge, Lippen und Speichelfluss. Die Bakterien können sich hier weitgehend ungestört vermehren und Säuren produzieren, die den Zahnschmelz angreifen. Gleichzeitig reizen die bakteriellen Stoffwechselprodukte das Zahnfleisch und lösen Entzündungen aus.

Der Zahnzwischenraum ist zudem ein Bereich, in dem sich Speisereste leicht festsetzen. Faserige Lebensmittel, Fruchtstücke und stärkehaltige Partikel werden beim Kauen zwischen die Zähne gedrückt und bieten den Bakterien ein ideales Nährsubstrat. Ohne mechanische Entfernung kann sich innerhalb weniger Tage ein fester Biofilm bilden, der sich durch einfaches Spülen nicht mehr lösen lässt.

Die verschiedenen Methoden im Überblick

Methode Geeignet für Vorteile Nachteile
Zahnseide (gewachst) Enge Zahnzwischenräume Passt in jede Lücke, kostengünstig Technik erfordert Übung, Verletzungsgefahr
Zahnseide (ungewachst) Enge Zwischenräume, bessere Plaqueentfernung Höhere Reibung, bessere Reinigung Kann leichter fasern, schwieriger zu handhaben
Interdentalbürsten Mittlere bis weite Zahnzwischenräume Sehr effektiv, einfache Anwendung Passt nicht in sehr enge Räume
Zahnseidesticks (Flossetten) Einsteiger, unterwegs Einfache Handhabung Weniger gründlich, mehr Plastikmüll
Munddusche Ergänzende Reinigung, Zahnspangenträger Einfach, spült lose Partikel aus Ersetzt nicht die mechanische Reinigung

So verwenden Sie Zahnseide richtig

Die korrekte Technik ist entscheidend – falsch angewandte Zahnseide kann das Zahnfleisch verletzen, ohne die Bakterien zu entfernen. So gehen Sie vor:

  • Reißen Sie einen Faden von etwa 45 Zentimetern Länge ab und wickeln Sie die Enden um Ihre Mittelfinger
  • Spannen Sie den Faden zwischen Daumen und Zeigefinger – es sollten etwa zwei bis drei Zentimeter zwischen den Fingern liegen
  • Führen Sie den Faden mit einer sanften Sägebewegung zwischen die Zähne – niemals mit Gewalt hineindrücken
  • Legen Sie den Faden C-förmig um einen Zahn und bewegen Sie ihn mehrmals auf und ab, vom Zahnfleischrand bis zur Zahnkrone
  • Wiederholen Sie das Gleiche am Nachbarzahn – jeder Zahnzwischenraum hat zwei Zahnflächen
  • Verwenden Sie für jeden Zahnzwischenraum einen frischen Fadenabschnitt

So verwenden Sie Interdentalbürsten richtig

Interdentalbürsten sind in vielen Fällen die effektivere Methode – vorausgesetzt, Sie verwenden die richtige Größe. Die Bürste sollte leicht in den Zahnzwischenraum gleiten und dabei einen sanften Widerstand spüren lassen. Zu große Bürsten quetschen das Zahnfleisch, zu kleine reinigen nicht gründlich genug.

Ihr Zahnarzt oder Ihre Dentalhygienikerin kann die passende Größe für Ihre Zahnzwischenräume bestimmen – in der Regel benötigen Sie zwei bis drei verschiedene Größen für unterschiedliche Bereiche im Mund. Führen Sie die Bürste vorsichtig von der Außenseite ein und bewegen Sie sie ein paarmal hin und her. Verwenden Sie keine Zahnpasta auf der Interdentalbürste – das ist nicht nötig und kann die feinen Borsten verkleben.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Zahnmediziner empfehlen, die Interdentalpflege vor dem Zähneputzen durchzuführen – idealerweise abends. Der Grund: Wenn Sie zuerst die Zahnzwischenräume reinigen, kann das Fluorid aus der Zahnpasta beim anschließenden Putzen besser in die gereinigten Zwischenräume gelangen. Eine Studie der Universität Mashhad (2018) zeigte, dass die Reihenfolge „erst Zahnseide, dann Zahnbürste" zu einer signifikant besseren Plaqueentfernung führte als die umgekehrte Reihenfolge.

Einmal täglich genügt – die Bakterien benötigen 24 bis 48 Stunden, um einen schädlichen Biofilm zu bilden. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Häufigkeit.

Häufige Fehler bei der Interdentalpflege

  • Zu viel Druck: Die Zahnseide oder Bürste sollte sanft geführt werden. Wer die Seide wie ein Sägeblatt ins Zahnfleisch drückt, riskiert Verletzungen und Zahnfleischrückgang.
  • Falsche Größe: Interdentalbürsten müssen zum Zahnzwischenraum passen. Lassen Sie sich bei Ihrem Zahnarzt beraten.
  • Nur sporadisch anwenden: Einmal pro Woche Zahnseide zu benutzen bringt wenig. Nur die tägliche Anwendung verhindert die Biofilmbildung zuverlässig.
  • Aufhören, wenn es blutet: Zahnfleischbluten bei der Interdentalpflege ist ein Zeichen für eine bestehende Entzündung – kein Grund aufzuhören. Machen Sie weiter: Nach ein bis zwei Wochen konsequenter Pflege hört die Blutung in der Regel auf.

Interdentalpflege und die richtige Zahnbürste

Die Interdentalpflege ergänzt das Zähneputzen – sie ersetzt es nicht. Für die Reinigung der freien Zahnoberflächen benötigen Sie weiterhin eine gute Zahnbürste. Die nano. Classic Zahnbürste im 2er-Pack reinigt mit 20.000 ultra-feinen Borsten die Zahnoberflächen und den Zahnfleischrand besonders schonend. In Kombination mit einer gründlichen Interdentalpflege decken Sie so die gesamte Zahnoberfläche ab – auch die 30 Prozent, die bei den meisten Menschen ungeputzt bleiben.

Häufige Fragen

Reicht es, nur Zahnseide oder nur Interdentalbürsten zu verwenden?

In den meisten Fällen genügt eine Methode – vorausgesetzt, sie passt zu Ihren Zahnzwischenräumen. Viele Menschen benötigen jedoch eine Kombination: Interdentalbürsten für die breiteren Zwischenräume im Seitenzahnbereich und Zahnseide für die engeren Kontaktpunkte im Frontzahnbereich. Ihr Zahnarzt kann Ihnen die optimale Kombination für Ihre Situation empfehlen.

Ist eine Munddusche ein Ersatz für Zahnseide?

Nein. Eine Munddusche kann lose Speisereste ausspülen und ist eine sinnvolle Ergänzung, besonders bei Zahnspangen oder Brücken. Sie entfernt jedoch den festsitzenden Biofilm nicht so effektiv wie eine mechanische Reinigung mit Zahnseide oder Interdentalbürsten. Die DGZMK empfiehlt Mundduschen als Ergänzung, nicht als Ersatz.

Ab welchem Alter sollten Kinder mit der Interdentalpflege beginnen?

Sobald die bleibenden Zähne eng zusammenstehen – in der Regel ab dem Alter von zehn bis zwölf Jahren – ist Interdentalpflege sinnvoll. Eltern können ihre Kinder mit Zahnseidesticks (Flossetten) an die Routine heranführen, bevor sie auf klassische Zahnseide umsteigen. Lassen Sie sich von Ihrem Kinderzahnarzt beraten.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGParo): Interdentale Reinigung – Empfehlungen – dgparo.de
  • CzenczekWielgosz, T. et al. (2018): „The effect of flossing sequence on interdental plaque reduction and fluoride retention", Journal of Periodontology, 89(7), S. 824–832
  • Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ): Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) – idz.institute
  • "Verwendung von Zahnzwischenraumpflege im Vergleich: Deutschland und Schweden", European Journal of Oral Sciences, 2019

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Dentalhygienikerin die passende Interdentalpflege zeigen.

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