Letzte Aktualisierung: März 2026 · Quellen am Ende des Artikels
Zahnseide war jahrzehntelang das unangefochtene Standardwerkzeug für die Zahnzwischenraumpflege. Jeder Zahnarzt empfahl sie, jede Zahnpflege-Anleitung erwähnte sie, und wer keine Zahnseide benutzte, hatte ein schlechtes Gewissen. Doch in den letzten Jahren hat sich die Einschätzung verschoben, und immer mehr Zahnärzte und Fachgesellschaften empfehlen Interdentalbürsten als erste Wahl.
Die European Federation of Periodontology (EFP) hat bereits 2015 in ihren Leitlinien die Interdentalbürste als effektivstes Werkzeug für die Zahnzwischenraumpflege eingestuft – vor Zahnseide. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) folgt dieser Einschätzung. Was steckt dahinter?
Warum Interdentalbürsten oft besser reinigen
Der Zahnzwischenraum ist kein flacher Spalt – er ist ein dreidimensionaler Raum mit Einbuchtungen und Konturen. Zahnseide ist ein dünner Faden, der im Wesentlichen zwei Flächen erreicht: die Seitenwände der benachbarten Zähne. Die Einbuchtungen dazwischen – besonders unterhalb des Kontaktpunkts – erreicht sie kaum.
Interdentalbürsten füllen den Zwischenraum dreidimensional aus. Ihre kleinen Borsten passen sich den Konturen an und reinigen nicht nur die Seitenwände, sondern auch die Einbuchtungen am Zahnfleischsaum. Studien im Journal of Clinical Periodontology zeigen, dass Interdentalbürsten bei der Entfernung von Plaque aus Zahnzwischenräumen signifikant effektiver sind als Zahnseide.
Ein weiterer Vorteil: Die Anwendung ist einfacher. Interdentalbürsten werden einfach in den Zwischenraum geschoben und ein- bis zweimal hin- und herbewegt – fertig. Zahnseide erfordert eine Wickeltechnik, die viele Menschen auch nach Jahren nicht richtig beherrschen. Das erklärt, warum Studien zur Effektivität „unter realen Bedingungen" oft noch deutlicher zugunsten der Interdentalbürste ausfallen als Laborstudien.
Wann Zahnseide trotzdem die bessere Wahl ist
Zahnseide hat dort ihre Berechtigung, wo Interdentalbürsten nicht passen: bei sehr engen Zahnzwischenräumen, in die selbst die kleinste Interdentalbürste (Größe ISO 1, Durchmesser 0,7 mm) nicht hineinpasst. Das betrifft vor allem jüngere Menschen mit eng stehenden Zähnen und gesundem Zahnfleisch ohne Rückgang.
Auch bei festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen kann Zahnseide – speziell Superfloss mit steifem Einfädler – nützlich sein, um unter Drahtbögen hindurchzufädeln.
Die richtige Größe finden
Interdentalbürsten gibt es in verschiedenen Größen, kodiert nach ISO-Nummern und Farbcodes. Die richtige Größe füllt den Zwischenraum aus, ohne dass Sie Druck ausüben müssen. Zu kleine Bürsten reinigen nicht gründlich, zu große quetschen das Zahnfleisch. Ihr Zahnarzt kann die passende Größe ermitteln – oft brauchen Sie zwei bis drei verschiedene Größen für verschiedene Stellen im Mund.
Ergänzt wird die Interdentalpflege durch eine gute Zahnbürste für die übrigen Flächen. Die nano. Classic mit 20.000 Borsten reinigt den Zahnfleischsaum gründlich – genau dort, wo die Interdentalbürste aufhört und die Zahnbürste übernimmt.
Häufige Fragen
Kann ich Interdentalbürsten mehrfach verwenden?
Ja, Interdentalbürsten werden nach Gebrauch unter fließendem Wasser gereinigt und können wiederverwendet werden, bis die Borsten sich verformen oder der Draht sich verbiegt – in der Regel nach einer bis zwei Wochen.
Schadet die Interdentalbürste dem Zahnfleisch?
Bei richtiger Größe und Anwendung nicht. In den ersten Tagen kann es zu leichtem Zahnfleischbluten kommen – das ist ein Zeichen einer bestehenden Entzündung, nicht der Bürste. Das Bluten lässt in der Regel nach ein bis zwei Wochen nach.
Brauche ich beides: Zahnseide und Interdentalbürste?
In der Regel reicht eines von beiden. Die EFP empfiehlt Interdentalbürsten als erste Wahl und Zahnseide nur dort, wo Interdentalbürsten nicht passen. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, welche Kombination für Ihre Zahnzwischenräume optimal ist.
Quellen & weiterführende Informationen
- European Federation of Periodontology (EFP): Clinical Practice Guidelines for Interdental Cleaning, 2015
- Slot, D.E. et al. (2012): „Interdental oral hygiene devices", Journal of Clinical Periodontology, 39(Suppl 11)
- Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO): Interdentalpflege-Empfehlungen – dgparo.de
- BZÄK: Mundhygiene-Empfehlungen – bzaek.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung.
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