Letzte Aktualisierung: März 2026 · Quellen am Ende des Artikels
Sie putzen sich seit Jahrzehnten die Zähne, aber machen Sie es auch richtig? Die ehrliche Antwort ist in den meisten Fällen: nein. Studien der Universität Gießen zeigen, dass über 80 Prozent der Erwachsenen eine Putztechnik verwenden, die mehr schadet als nützt: das horizontale Schrubben. Dabei führt die Zahnbürste schnelle Hin-und-her-Bewegungen aus, die den Zahnschmelz am empfindlichen Zahnhals abtragen, das Zahnfleisch zurückdrängen und trotzdem die kritischen Stellen am Zahnfleischrand kaum erreichen.
Die Zahnmedizin empfiehlt seit Jahrzehnten die Bass-Technik (auch modifizierte Bass-Technik genannt) als Goldstandard der manuellen Zahnreinigung. Sie ist wissenschaftlich am besten untersucht und nachweislich am effektivsten bei der Entfernung von Plaque am Zahnfleischrand – genau dort, wo Karies und Parodontitis entstehen. In diesem Ratgeber lernen Sie die Bass-Technik Schritt für Schritt.
Warum Schrubben den Zähnen schadet
Die Schrubbtechnik fühlt sich gründlich an – die Zähne sind danach glatt und „sauber". Doch der Schein trügt. Beim horizontalen Schrubben passieren drei Dinge gleichzeitig, die langfristig problematisch sind:
- Die Borsten gleiten über den Zahnfleischrand hinweg, ohne die Bakterien im Sulkus (der Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch) zu erreichen
- Am Zahnhals, wo der Zahnschmelz am dünnsten ist, wird bei jedem Strich Material abgetragen – über Jahre entsteht eine keilförmige Einkerbung
- Das Zahnfleisch wird durch die horizontale Bewegung nach unten gedrückt und zieht sich zurück – freiliegende Zahnhälse sind die Folge
Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) warnt: Keilförmige Defekte am Zahnhals sind einer der häufigsten Befunde in deutschen Zahnarztpraxen, und die Hauptursache ist falsches Zähneputzen.
Die Bass-Technik Schritt für Schritt
Die modifizierte Bass-Technik ist nicht kompliziert, erfordert aber Umgewöhnung. Planen Sie zwei bis drei Wochen ein, bis die neue Technik zur Gewohnheit wird. So gehen Sie vor:
- Schritt 1: Ansetzen: Setzen Sie die Zahnbürste im 45°-Winkel zum Zahnfleischrand an. Die Borstenspitzen zeigen leicht in den Sulkus zwischen Zahn und Zahnfleisch.
- Schritt 2: Rütteln: Führen Sie kleine, rüttelnde Bewegungen aus, ohne die Position der Zahnbürste zu verändern. Diese Vibration löst die Plaque im Sulkus und am Zahnfleischrand.
- Schritt 3: Auswischen: Wischen Sie die gelöste Plaque mit einer Drehbewegung vom Zahnfleisch zum Zahn hin aus – bei den oberen Zähnen nach unten, bei den unteren nach oben.
- Schritt 4: Wiederholen: Setzen Sie die Zahnbürste am nächsten Zahnpaar an und wiederholen Sie den Vorgang. Arbeiten Sie systematisch: Außenflächen, Innenflächen, Kauflächen.
| Merkmal | Schrubbtechnik | Bass-Technik |
|---|---|---|
| Bewegungsrichtung | Horizontal hin und her | Rütteln + Auswischen vom Zahnfleisch weg |
| Reinigung am Zahnfleischrand | Mangelhaft | Sehr effektiv |
| Risiko für Zahnhalsdefekte | Hoch | Gering |
| Risiko für Zahnfleischrückgang | Hoch | Gering |
| Plaqueentfernung gesamt | Mäßig (Oberflächen ja, Sulkus nein) | Sehr gut (inkl. Sulkus) |
Wie lange und wie oft putzen?
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) empfiehlt zweimal tägliches Zähneputzen für jeweils zwei Minuten. Das klingt einfach, wird aber in der Praxis selten erreicht. Studien zeigen, dass die durchschnittliche Putzzeit bei deutschen Erwachsenen unter einer Minute liegt – viel zu wenig, um alle Zahnflächen gründlich zu reinigen.
Zwei Minuten sind das Minimum, nicht das Optimum. Wer systematisch putzt – erst die Außenflächen aller vier Quadranten, dann die Innenflächen, dann die Kauflächen – , kommt leicht auf drei Minuten. Und das ist gut so, denn jede zusätzliche Sekunde bedeutet weniger Plaque und weniger Bakterien.
Die richtige Zahnbürste für die Bass-Technik
Die Bass-Technik funktioniert mit jeder Zahnbürste, aber sie funktioniert besser mit einer, deren Borsten fein genug sind, um tatsächlich in den Sulkus einzudringen. Herkömmliche Zahnbürsten mit dicken Borsten bleiben an der Oberfläche und erreichen die Zahnfleischfurche nur eingeschränkt.
Die nano. Classic Zahnbürste im 2er-Pack ist für die Bass-Technik besonders geeignet. Ihre 20.000 ultra-feinen Borsten dringen sanft in den Sulkus ein, ohne das Zahnfleisch zu reizen. Die dichte Borstenpackung sorgt dafür, dass die rüttelnde Bewegung die Plaque flächig löst – nicht punktuell wie bei einer konventionellen Zahnbürste.
Häufige Fehler beim Zähneputzen
Auch mit der richtigen Technik gibt es typische Fehler, die die Reinigungsleistung reduzieren:
- Zu viel Druck: Die Borsten sollten sich kaum biegen. Starker Druck reinigt nicht besser, sondern schadet dem Zahnschmelz und dem Zahnfleisch.
- Immer die gleiche Stelle zuerst: Die ersten Zähne werden am gründlichsten geputzt, die letzten werden vernachlässigt. Starten Sie bewusst an wechselnden Stellen.
- Innenflächen vergessen: Die Innenseiten der Zähne werden am häufigsten ausgelassen – besonders die Unterkiefer-Frontzähne.
- Zahnzwischenräume ignorieren: Die Zahnbürste reinigt nur 60 bis 70 Prozent der Zahnoberfläche. Für den Rest brauchen Sie Zahnseide oder Interdentalbürsten.
- Direkt nach dem Essen putzen: Nach säurehaltigen Speisen oder Getränken ist der Zahnschmelz vorübergehend erweicht. Warten Sie 30 Minuten, bevor Sie zur Zahnbürste greifen.
Häufige Fragen
Muss ich die Bass-Technik bei einer elektrischen Zahnbürste anwenden?
Nein. Elektrische Zahnbürsten – insbesondere oszillierend-rotierende Modelle – erzeugen die Reinigungsbewegung selbst. Sie müssen die Bürste nur langsam von Zahn zu Zahn führen, ohne eigene Putzbewegungen auszuführen. Bei Schallzahnbürsten empfehlen Hersteller eine leichte Kippbewegung am Zahnfleischrand, die der Bass-Technik ähnelt. Die Grundregel bleibt jedoch gleich: 45°-Winkel, wenig Druck, systematisch putzen.
Wie bringe ich meinen Kindern die richtige Putztechnik bei?
Für Kinder unter sechs Jahren ist die KAI-Technik empfehlenswert: erst Kauflächen, dann Außenflächen, dann Innenflächen. Ab dem Schulalter können Kinder schrittweise an die Bass-Technik herangeführt werden. Wichtig: Bis zum achten oder neunten Lebensjahr sollten Eltern abends nachputzen, da die Feinmotorik für eine gründliche Reinigung noch nicht ausreicht.
Hilft eine Zahnputz-App wirklich?
Zahnputz-Apps können die Putzzeit verbessern und daran erinnern, alle Quadranten gleichmäßig zu putzen. Studien zeigen einen positiven Effekt auf die Putzzeit und die Vollständigkeit der Reinigung – vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Allerdings ersetzen sie kein gründliches Erlernen der richtigen Technik. Die App hilft beim „Wie lange" und „Wo", aber nicht beim „Wie".
Quellen & weiterführende Informationen
- Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Leitlinie zur häuslichen mechanischen Biofilmkontrolle – dgzmk.de
- Bass, C.C. (1954): „An effective method of personal oral hygiene", Journal of the Louisiana State Medical Society, 106(2), S. 57–73
- Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Zähneputzen, aber richtig – kzbv.de
- At-Tun, M.L. et al. (2019): „Ergonomic evaluation of manual toothbrushing techniques", Journal of Clinical Periodontology, 46(1), S. 138–145
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Lassen Sie sich die optimale Putztechnik bei Ihrem nächsten Zahnarztbesuch zeigen.
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