Letzte Aktualisierung: März 2026 · Quellen am Ende des Artikels
Zahnimplantate gelten als die modernste und funktionellste Form des Zahnersatzes, und ihre Erfolgsraten sind beeindruckend. Doch auch Implantate können erkranken. Periimplantitis ist eine entzündliche Erkrankung des Gewebes rund um ein Zahnimplantat, die mit Knochenabbau einhergeht und im schlimmsten Fall zum Verlust des Implantats führen kann. Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 % aller Implantate im Laufe der Zeit von Periimplantitis betroffen.
Die gute Nachricht: Periimplantitis ist in den meisten Fällen vermeidbar – durch konsequente Mundhygiene, regelmäßige Nachsorge und die richtige Pflege zu Hause. Doch dafür muss man verstehen, was Periimplantitis ist, wie sie entsteht und welche Warnsignale man ernst nehmen sollte.
Was ist Periimplantitis genau?
Periimplantitis ist eine entzündliche Erkrankung, die das periimplantäre Gewebe betrifft, also das Zahnfleisch und den Knochen, die das Implantat umgeben und halten. Ähnlich wie bei der Parodontitis bei natürlichen Zähnen wird dabei der stützende Knochen abgebaut. Der entscheidende Unterschied: Während ein natürlicher Zahn über eine komplexe Faserstruktur (den parodontalen Ligament) mit dem Knochen verbunden ist, ist ein Implantat direkt im Knochen verankert (Osseointegration). Dadurch fehlt eine natürliche Barriere gegen das Vordringen von Bakterien.
| Periimplantäre Mukositis | Entzündung nur im Weichgewebe (Zahnfleisch) – reversibel |
| Periimplantitis | Entzündung mit Knochenabbau – nicht vollständig reversibel |
| Häufigkeit | Mukositis: bis zu 50 %, Periimplantitis: 10–20 % aller Implantate |
| Hauptursache | Bakterieller Biofilm an der Implantatoberfläche |
| Risikofaktor Nr. 1 | Vorgeschichte von Parodontitis |
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen periimplantärer Mukositis und Periimplantitis. Mukositis betrifft nur das Weichgewebe – das Zahnfleisch um das Implantat, und ist vollständig reversibel, ähnlich wie Gingivitis bei natürlichen Zähnen. Wird die Mukositis nicht behandelt, kann sie sich zur Periimplantitis weiterentwickeln, bei der auch der Knochen betroffen ist. Und Knochenabbau lässt sich, genau wie bei Parodontitis, nicht rückgängig machen.
Wie entsteht Periimplantitis?
Die Ursache ist, wie bei den meisten entzündlichen Erkrankungen im Mund, ein bakterieller Biofilm. Bakterien siedeln sich auf der Implantatoberfläche an und bilden Plaque. Wird dieser Belag nicht regelmäßig entfernt, löst er eine Entzündungsreaktion im umgebenden Gewebe aus.
Bei Implantaten kommt erschwerend hinzu, dass die Gewebearchitektur um ein Implantat grundlegend anders ist als um einen natürlichen Zahn. Das periimplantäre Gewebe ist weniger durchblutet, hat weniger Abwehrzellen und bietet Bakterien dadurch weniger Widerstand. Sobald die Entzündung den Knochen erreicht, schreitet der Abbau oft schneller voran als bei Parodontitis an natürlichen Zähnen.
Die wichtigsten Risikofaktoren für Periimplantitis sind:
- Parodontitis-Vorgeschichte: Patienten, die bereits Parodontitis hatten, haben ein drei- bis fünffach erhöhtes Risiko für Periimplantitis – die gleichen Bakterien, die natürliche Zähne angegriffen haben, besiedeln auch die Implantate.
- Mangelhafte Mundhygiene: Unzureichende Plaqueentfernung am Implantat ist der häufigste auslösende Faktor.
- Rauchen: Beeinträchtigt die Durchblutung und die Immunabwehr rund um das Implantat.
- Diabetes mellitus: Erhöht das allgemeine Infektions- und Entzündungsrisiko.
- Fehlende Nachsorge: Ohne regelmäßige professionelle Kontrollen und Reinigungen steigt das Risiko erheblich.
- Zementüberschüsse: Bei zementiert befestigtem Zahnersatz können Zementreste unter dem Zahnfleisch Entzündungen auslösen.
Warnsignale: Woran erkennt man Periimplantitis?
Die Tücke der Periimplantitis ist, dass sie – wie Parodontitis – im Frühstadium oft keine Schmerzen verursacht. Umso wichtiger ist es, auf die folgenden Warnsignale zu achten:
- Zahnfleischbluten beim Putzen oder bei der Sondierung durch den Zahnarzt
- Rötung und Schwellung des Zahnfleischs rund um das Implantat
- Eiterbildung (Suppuration) am Implantatrand
- Zunehmende Taschentiefe bei der zahnärztlichen Messung
- Sichtbarer Knochenabbau im Röntgenbild
- In fortgeschrittenen Fällen: Lockerung des Implantats
Wenn Sie eines dieser Zeichen bemerken, sollten Sie umgehend Ihren Zahnarzt aufsuchen. Je früher Periimplantitis erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.
Behandlung von Periimplantitis
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad. Bei periimplantärer Mukositis reicht in der Regel eine professionelle Reinigung der Implantatoberfläche in Kombination mit verbesserter häuslicher Mundhygiene. Bei manifester Periimplantitis mit Knochenabbau sind die Optionen komplexer:
| Maßnahme | Beschreibung | Indikation |
|---|---|---|
| Nicht-chirurgisch | Professionelle Reinigung, Dekontamination, Antibiotika lokal | Frühstadium, moderate Taschen |
| Chirurgisch (resektiv) | Offene Reinigung, Glättung der Implantatoberfläche | Fortgeschrittener Knochenabbau |
| Chirurgisch (regenerativ) | Knochenaufbau mit Knochenersatzmaterial und Membran | Bestimmte Defektformen |
| Explantation | Entfernung des Implantats | Fortgeschrittene Fälle, Lockerung |
Vorbeugung: So schützen Sie Ihr Implantat
Die beste Behandlung der Periimplantitis ist ihre Vermeidung. Und das beginnt mit konsequenter, täglicher Implantatpflege. Das Implantat muss mindestens so gründlich gereinigt werden wie ein natürlicher Zahn – idealerweise gründlicher, weil die natürlichen Abwehrmechanismen schwächer sind.
Die nano. Zahnbürste mit 20.000 Borsten eignet sich besonders gut für die Implantatpflege: Die ultra-feinen Borsten reinigen den Zahnfleischsaum rund um die Implantatkrone gründlich, ohne die empfindliche periimplantäre Schleimhaut zu verletzen. Die hohe Borstendichte erreicht auch die oft schwer zugänglichen Übergänge zwischen Implantatkrone und Zahnfleisch.
- Putzen Sie zweimal täglich am Zahnfleischsaum rund um das Implantat – sanft, aber gründlich.
- Reinigen Sie die Zahnzwischenräume am Implantat täglich mit Interdentalbürsten oder spezieller Implantat-Zahnseide.
- Halten Sie alle empfohlenen Nachsorgetermine ein – mindestens zweimal jährlich, bei Risikofaktoren häufiger.
- Lassen Sie regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung durchführen.
- Wenn Sie rauchen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt aufzuhören – für Ihre Implantate und Ihre allgemeine Gesundheit.
Häufige Fragen
Kann Periimplantitis zum Verlust des Implantats führen?
Ja. Unbehandelte Periimplantitis führt zu fortschreitendem Knochenabbau rund um das Implantat. Wenn nicht genügend Knochen übrig bleibt, um das Implantat zu halten, lockert es sich und muss entfernt werden. Deshalb ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung so entscheidend. Regelmäßige Nachsorgetermine ermöglichen es Ihrem Zahnarzt, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Wie unterscheidet sich Periimplantitis von Parodontitis?
Beide Erkrankungen sind bakteriell bedingte Entzündungen mit Knochenabbau. Parodontitis betrifft natürliche Zähne, Periimplantitis betrifft Zahnimplantate. Der wesentliche Unterschied: Das Gewebe um ein Implantat ist weniger durchblutet und hat eine andere Faserstruktur als um einen natürlichen Zahn, wodurch die Abwehr gegen Bakterien schwächer ist und der Knochenabbau oft schneller voranschreitet.
Können alle Implantatpatienten Periimplantitis bekommen?
Grundsätzlich ja, aber das Risiko ist nicht für alle gleich. Patienten mit einer Parodontitis-Vorgeschichte, Raucher und Menschen mit Diabetes haben ein deutlich höheres Risiko. Wer sein Implantat konsequent pflegt und die Nachsorgetermine einhält, kann das Risiko jedoch erheblich senken.
Quellen & weiterführende Informationen
- Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI): S3-Leitlinie Periimplantäre Infektionen – dgi-ev.de
- Schwarz, F. et al. (2018): Peri-implant Infection: Etiology, Diagnosis and Treatment, Quintessenz Verlag
- Derks, J. & Tomasi, C. (2015): „Peri-implant health and disease. A systematic review of current epidemiology", Journal of Clinical Periodontology, 42(Suppl 16), S. S158–S171
- Berglundh, T. et al. (2018): „Peri-implant diseases and conditions: Consensus report", Journal of Clinical Periodontology, 45(Suppl 20), S. S286–S291
- Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Implantatpflege – Patienteninformation – bzaek.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Periimplantitis wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Zahnarzt oder Implantologen.
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