Letzte Aktualisierung: März 2026 · Quellen am Ende des Artikels
Eine Chemotherapie ist eine enorme Belastung für den Körper, und der Mund ist oft eine der ersten Stellen, an denen sich das bemerkbar macht. Bis zu 40 % aller Chemotherapie-Patienten entwickeln eine orale Mukositis: schmerzhafte Entzündungen und Geschwüre in der Mundhöhle, die das Essen, Trinken und Zähneputzen zur Qual machen können.
Gleichzeitig ist gerade jetzt konsequente Mundhygiene besonders wichtig. Ein geschwächtes Immunsystem kann bakterielle Infektionen im Mund nicht mehr so gut abwehren, und was als kleine Entzündung beginnt, kann bei immunsupprimierten Patienten schnell ernsthafte Komplikationen verursachen. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Pflege und der richtigen Zahnbürste lässt sich vieles vermeiden oder zumindest abmildern.
Was passiert im Mund während einer Chemotherapie?
Zytostatika – die Medikamente einer Chemotherapie – wirken auf sich schnell teilende Zellen. Dazu gehören Krebszellen, aber leider auch die Zellen der Mundschleimhaut, die sich alle 7 bis 14 Tage erneuern. Wenn diese Erneuerung gestört wird, wird die Schleimhaut dünner, rissig und anfällig für Entzündungen.
Die Deutsche Krebsgesellschaft beschreibt mehrere typische Veränderungen im Mundraum während der Chemotherapie. Am häufigsten ist die orale Mukositis – eine Entzündung der Mundschleimhaut, die von leichter Rötung (Grad 1) bis hin zu tiefen, schmerzhaften Geschwüren reichen kann (Grad 4 nach WHO-Skala). Viele Patienten leiden zusätzlich unter extremer Mundtrockenheit (Xerostomie), weil die Speicheldrüsen weniger Speichel produzieren. Da Speichel eine natürliche Schutzfunktion hat, steigt dadurch das Risiko für Karies und Infektionen.
Hinzu kommen eine erhöhte Anfälligkeit für Pilzinfektionen wie Soor, Zahnfleischbluten durch verringerte Blutplättchen (Thrombozytopenie) und oft auch ein unangenehmer metallischer Geschmack, der das Essen zusätzlich erschwert.
Warum Mundpflege jetzt wichtiger ist als je zuvor
Es klingt paradox: Der Mund schmerzt bei jeder Berührung, und trotzdem sagen Onkologen, dass Zähneputzen jetzt auf keinen Fall ausfallen darf. Der Grund ist das geschwächte Immunsystem. Während einer Chemotherapie sinkt die Zahl der weißen Blutkörperchen oft drastisch ab – ein Zustand, der als Neutropenie bezeichnet wird. In dieser Phase können Bakterien aus dem Mundraum über kleine Wunden oder entzündetes Zahnfleisch in die Blutbahn gelangen und im schlimmsten Fall eine Sepsis auslösen.
Die AWMF-S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen Patienten" empfiehlt deshalb ausdrücklich eine konsequente Mundpflege während der gesamten Chemotherapie. Studien zeigen, dass Patienten mit guter Mundhygiene weniger schwere Mukositis-Episoden haben und seltener Therapiepausen einlegen müssen.
Welche Zahnbürste während der Chemotherapie?
Die Anforderungen an eine Zahnbürste sind während der Chemotherapie besonders hoch. Die Schleimhaut ist so empfindlich, dass selbst Zahnbürsten, die als „weich" vermarktet werden, Schmerzen und Verletzungen verursachen können. Was Sie brauchen, ist eine Zahnbürste, die ultra-weich ist – nicht als Marketing-Begriff, sondern als tatsächliche Eigenschaft der Borsten.
Entscheidend ist die Kombination aus Weichheit und Borstendichte. Viele feine Borsten verteilen den minimal nötigen Putzdruck über eine große Fläche, sodass an keiner Stelle ein punktueller Reiz entsteht. Ein kompakter Bürstenkopf hilft zusätzlich, weil er präzises Putzen ermöglicht, ohne dass der Kopf an wunde Stellen im Mund stößt. Und ein wichtiger praktischer Tipp: Feuchten Sie die Zahnbürste vor dem Putzen mit lauwarmem (nicht heißem) Wasser an – das macht die Borsten noch geschmeidiger.
Unsere Empfehlung: Die nano. Compact
Die nano. Compact Zahnbürste wurde zwar nicht speziell für Krebspatienten entwickelt, bringt aber genau die Eigenschaften mit, die Onkologen empfehlen: 20.000 ultra-feine Borsten, die so sanft sind, dass selbst entzündete Schleimhäute nicht zusätzlich gereizt werden. Der kompakte Bürstenkopf ist ideal für einen empfindlichen Mundraum, und die hohe Borstendichte macht starkes Aufdrücken völlig überflüssig.
Wichtig: Sprechen Sie die Wahl Ihrer Zahnbürste und Ihre gesamte Mundpflege-Routine immer mit Ihrem behandelnden Onkologen oder Zahnarzt ab. Jede Therapie ist individuell, und Ihr Ärzteteam kennt Ihre Situation am besten.
Mundpflege-Routine während der Chemotherapie
Die folgenden Empfehlungen basieren auf den Leitlinien der Deutschen Krebshilfe und der internationalen MASCC/ISOO (Multinational Association of Supportive Care in Cancer).
Putzen Sie zweimal täglich sanft mit einer ultra-weichen Zahnbürste. Verwenden Sie eine milde Zahnpasta ohne SLS (Sodium Lauryl Sulfat) und ohne starke Minze – Kinder-Zahnpasten sind während der Chemotherapie oft besser verträglich. Bei schwerer Mukositis (Grad 3–4) mit offenen Wunden kann es notwendig sein, vorübergehend auf vorsichtiges Spülen umzusteigen – besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.
Spülen Sie Ihren Mund vier- bis sechsmal täglich mit einer Salzwasser-Lösung (ein halber Teelöffel Salz auf 250 ml lauwarmes Wasser) oder einer Natron-Lösung. Diese einfachen Hausmittel wirken entzündungshemmend und helfen, die Bakterienzahl im Mund niedrig zu halten. Halten Sie Ihre Lippen mit Vaseline oder einem speziellen Lippenbalsam feucht, und trinken Sie über den Tag verteilt viel Wasser in kleinen Schlucken gegen die Mundtrockenheit.
Idealerweise sollten Sie bereits zwei bis drei Wochen vor Therapiebeginn einen Zahnarzttermin vereinbaren. Eine professionelle Zahnreinigung und die Sanierung eventueller Kariesstellen oder Entzündungsherde reduzieren das Risiko für Komplikationen während der Chemotherapie erheblich.
Häufige Fragen
Darf ich während der Chemotherapie Zähne putzen?
Ja, und Sie sollten es unbedingt tun. Mundhygiene ist während der Chemotherapie besonders wichtig, um Infektionen zu vermeiden. Verwenden Sie eine ultra-weiche Zahnbürste und putzen Sie sanft. Nur bei schwerer Mukositis (Grad 3–4) mit offenen Wunden sollten Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt vorübergehend auf vorsichtiges Spülen umsteigen.
Welche Zahnbürste bei Mukositis?
Bei Mukositis empfehlen Onkologen ultra-weiche Zahnbürsten mit möglichst vielen feinen Borsten. Eine Zahnbürste mit 20.000 Borsten verteilt den Druck so gleichmäßig, dass die Reinigung auch bei empfindlicher Schleimhaut möglich bleibt, ohne das Gewebe weiter zu verletzen.
Kann ich eine elektrische Zahnbürste während der Chemo nutzen?
Die meisten Onkologen raten während aktiver Mukositis von elektrischen Zahnbürsten ab. Die Vibrationen können das empfindliche Gewebe zusätzlich reizen, und bei geschwollenem Zahnfleisch oder Geschwüren im Mund haben Sie mit einer Handzahnbürste deutlich mehr Kontrolle über Druck und Bewegung.
Quellen & weiterführende Informationen
- AWMF: S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (Registernr. 032-054OL) – awmf.org
- Deutsche Krebsgesellschaft: Mundpflege bei Krebstherapie – krebsgesellschaft.de
- Deutsche Krebshilfe: Die blauen Ratgeber – Mundpflege bei Krebs – krebshilfe.de
- MASCC/ISOO (2020): Clinical Practice Guidelines for the Management of Mucositis, Supportive Care in Cancer, 28(5)
- Lalla, R.V. et al. (2014): „Management of oral mucositis in patients who have cancer", Dental Clinics of North America, 58(2), S. 381–395
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie alle Maßnahmen zur Mundpflege mit Ihrem behandelnden Onkologen.
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